Was haben Atemwegserkrankungen mit Liebeskummer zu tun?

(Von Susanne Gärtner)

Kennen Sie den Spruch „Das geht mir an die Nieren“? Diese und ähnliche und Aussagen tätigten schon unsere Großeltern früher, wenn Sie etwas belastete und man sie fragte, wie es Ihnen gesundheitlich geht. Die wenigsten von Ihnen jammerten und erläuterten ausführlich, welche Beschwerden sie quälten, doch Aussagen wie: „Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen“, hörte man des Öfteren.

Sprüche, wie diese aus dem Volksmund gehen auf alte Erfahrungsmedizin zurück. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Emotionen und Gefühlszustände einzelne Organe oder Organsysteme  zugeordnet. So steht die Angst, als eine weit verbreitete Emotion, im Zusammenhang mit Niere und Blase bzw. dem Harnapparat. Wenn uns eben etwas stark belastet, der Mensch unter Zukunftsangst oder existentieller Angst leidet, dann sagt man häufig: „Das geht mir an die Nieren“. Tatsächlich kann der Betroffenen das nur so wahrnehmen, bei lang anhaltender emotionaler Belastung können aber tatsächlich im Verlauf Erkrankungen an Niere und Blase entstehen. Unser körperliches Befinden hängt, wie wir heute wissen und die Schulmedizin es auch nach und nach anerkennt, sehr viel mehr mit unserer psychischen Gesundheit zusammen, als wir früher glaubten.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden diese emotionalen Zusammenhänge mit den entsprechenden Organen schon sehr viel länger anerkannt und durch alte erfahrene Mediziner noch vorbeugend behandelt. Wer schon einmal in China Urlaub gemacht hat, kennt die vielen Menschen, die sich abends im Freien treffen und u.a. Qigong oder Tai Chi gemeinsam üben, um Gesundheitspflege zu betreiben. Denn die alten Mediziner lehren dort heute noch: „Besser vorbeugen statt behandeln“. So werden durch die sanften Bewegungs- und Meditationsübungen emotionale Belastungen und Empfindungen auf sanfte Weise reguliert, damit keine Erkrankungen entstehen.

Betrachten wir nun die Empfindungen beim Liebeskummer einmal genauer. Wer schon einmal eine Trennung von einem geliebten Menschen erlebt hat, der kennt diese innere Ohnmacht und die Verlustangst sehr gut. Wer von der Familie verstoßen wurde oder einen geliebten Menschen durch den Tod verloren hat, der weiß, wie es sich anfühlt, wenn man in der Trauer gefangen ist. Grundsätzlich sind Emotionen etwas sehr wertvolles, denn wenn wir die Fähigkeit besitzen, diese als nichts Bedrohliches sondern als wertvollen Begleiter anzusehen, dann kann die Trauer, die Wut oder die Angst sogar Richtungsweisend für unser Leben sein.  Doch in unserer westlichen Welt haben wir vergessen, mit emotionalen Belastungen gesund umzugehen. Wenn wir nach einer Trennung Trauer spüren, so ist das nichts Schlimmes und zeigt, dass wir den Menschen geliebt haben und nun traurig darüber sind, dass wir vielleicht einen gemeinsamen Weg nicht weitergehen können. Wenn diese Trauer für kurze Zeit anhält, dann können unser Körper und auch unsere Psyche das sehr gut kompensieren. Wir beweinen den Verlust und die Tränen trocknen mit der Zeit und lassen nach. So wäre der gesunde Zustand. Die Trauer wird in diesem Fall anerkannt und auch der Verlust durch das aktive Erleben der Trauer geringer.

In unserer Leistungsgesellschaft haben wir jedoch verlernt, Emotionen auszuhalten und anzuerkennen. Wir versuchen Tag ein, Tag aus zu funktionieren und unterdrücken Gefühle wie Trauer, Angst und Groll, lenken uns mit Sport und anderen Aktivitäten ab, weil die Auseinandersetzung mit diesen Emotionen als belastend und peinlich angesehen wird. Das führt dazu, dass immer weniger Menschen wirklich ins Fühlen gehen, sondern nach und nach an Emotionen vergiften und der Körper langfristig streikt. Körperliche Beschwerden können ein Ausdruck eines lange unentdeckten Ungleichgewichtes in Körper, Geist und Seele darstellen. Bei einer Trennung fühlen wir in der Regel Traurigkeit, Verzweiflung und sind verletzt durch die Ablehnung, die wir durch den Partner erfahren. Wenn sich die Tränen in uns manifestieren, kann es zu Bronchitis, Lungenentzündung und Asthmabeschwerden kommen. Daneben kann es sein, dass die Trauernden nachts in der Zeit zwischen 3 und 5 Uhr häufiger wach werden oder an Schlafstörungen leiden, weil sich die Emotionen zu dieser Zeit besonders zeigen. Nach der chinesischen Organ-Uhr wird die Zeit zwischen 3 und 5 Uhr morgens der Lunge zugeordnet und kann somit Hinweise auf Lungenerkrankungen geben. Betroffene suchen bei diesen Erkrankungen oft gleich den Arzt auf und lassen sich entsprechend Medikamente verschreiben, die sie einnehmen können, um die Beschwerden zu lindern. Das Antibiotikum oder Asthmaspray hilft aber nicht gegen unterdrückte Gefühle. Es wird die Beschwerden vielleicht ein wenig abmildern, aber nicht vollständig ausheilen. Wenn die Ursache hier nicht an der Wurzel gepackt wird (die Trauer und die Verzweiflung wirklich gefühlt und durchlebt werden), können die Beschwerden sich chronisch entwickeln und der Medikamentenbedarf wächst, ohne langfristig wirklich Besserung zu erzielen.

Was können Betroffene tun, um die emotionale Belastung zu reduzieren und Atemwegserkrankungen vorzubeugen?

Setzen Sie sich ruhig und bequem hin und atmen Sie bewusst ruhig ein und aus. Wiederholen Sie das mehrmals und lassen Sie jedes Mal beim Ausatmen ein wenig mehr los. Legen Sie eine Hand auf Ihren Brustkorb und atmen Sie bewusst in den Brustkorb ein. Nun können Sie sich dabei folgende Fragen stellen:

  • Was macht mich traurig?
  • Was belastet mich?
  • Welche Botschaft hat meine Bronchitis für mich?

Seien Sie offen für die Botschaften, die Sie empfangen. Vielleicht wird Ihnen bewusst, dass Sie gar nicht wegen der Trennung traurig sind, sondern weil Sie schon viel zu lange den falschen Job machen oder täglich Arbeitskollegen ausgesetzt sind, die Sie nicht mögen. Lassen Sie die Trauer zu, erlauben Sie sich die Tränen fließen zu lassen und kämpfen Sie nicht mehr dagegen an. Gefühle zu unterdrücken kostet auf Dauer viel mehr Energie und ist kräftezerrender als sich noch einmal mit dem unangenehmen Gefühlen auseinanderzusetzen und sie zu durchleben. Danach winkt ein Gefühl von mehr Freiheit und es steht Ihnen viel mehr Energie für Ihren Alltag zur Verfügung.

Susanne Gärtner, www.hppraxis-gaertner.de

Autorin von „Borreliose – Die verschwiegene Volkskrankheit“

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