Sich ganz selbst l(i)eben

(Von Frank Heuser)

Kurz etwas zum Verfasser des Beitrags, zu mir. Ich bin Anfang 2004 aus der Geschäftswelt ausgestiegen und beschäftige mich seit dem Vollzeit mit dem Leben und der Liebe, mit Bewusstsein, Entwicklung und allem was dazu gehört. Sehr viele Nicht-Mainstream-Erfahrungen durfte ich erleben, unglaublichen Ereignissen beiwohnen, beeindruckende Menschen und heilige Plätze auf der ganzen Welt kennen lernen genauso wie meine eigenen „Leichen“ im Keller und tiefste Schmerzen vergangener Erfahrungen. Sicher habe ich vieles gelernt, begriffen, verstanden, erfasst und erlebt.

Wenn ich die ausgewrungene Essenz dessen auf einen Satz reduziere, bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst ganz zu leben, was gleich bedeutend ist und einher geht mit sich selbst ganz zu lieben.

Lass uns ein paar Basics festzurren. 1. Wir sind mit voller Absicht hier in dieser Welt, in diesem Leben, um etwas zu leben, zu erfahren und zu erkennen. 2. Jeder Mensch hat eine Seele, die sozusagen etwas vor hat in bzw. mit uns als Mensch in diesem Leben. 3. Unsere Eltern und frühen Bezugspersonen haben wir oder wurden extra für uns ausgewählt. Das gilt sicher auch für Beziehungspartner und andere Menschen, die uns sehr beglücken oder uns das Leben zur Hölle machen oder beides. 4. Jeder Mensch ist für dieses Leben optimal ausgestattet um das zu leben und zu erfahren, was gelebt und erfahren werden will. Uns fehlt NICHTS, überhaupt NICHTS. Es hat von Anfang an nie was gefehlt und es fehlt bis heute nichts und bis zum Lebensende wird nichts fehlen. 5. Alles was geschieht, was von Außen kommt, dient uns, dient dir. Jegliche Projektion ist fehl am Platz. So hart das klingt, aber willst du irgendjemandem oder irgendetwas Macht über dich geben, in dem du deine abgibst? Klar ist es einfacher, aber das ist sehr kurzfristig gedacht. 6. Das alles gilt auch für HSP, obwohl es besonders für diese Menschen (zu denen ich sicher auch gehöre) oft als unzumutbar erscheint. Zu Punkt 7 wird es heikler. Für manche ist die Welt und unser Leben eine Schule, für manche ist sie eine Strafanstalt, für einige wenige ist sie vielleicht auch ein Geschenk. Hier darfst du dich selbst entscheiden. Ich rate dir dich klug zu entscheiden, weil dein Leben maßgeblich von dieser Entscheidung abhängt.

Du solltest dir darum Gedanken machen, als was du die Welt und dein Leben siehst. Das ist der Ausgangspunkt allen gefühlten Erlebens.

Für mich ist die Erde ein Heilraum. Gerade wir als HSP wissen um etwas Höheres, etwas Göttliches, um die (wahre) Liebe, um Gnade, Herzenskraft, Empathie, den Segen (und auch den Fluch) der Sensitivität, Intuition und Medialität. Ja, es gibt das alles, es ist da und nicht nur für mich gibt es keinen Grund, warum es anders sein könnte. Wenn es etwas liebendes Göttliches gibt, dann gehört alles dazu, dann dient alles uns und der Schöpfung. Du denkst, dass ist rosarot; dann schau dir diesen Teil in dir genau an, der das so sehen will. Ich haben diesen Teil auch (und erkannt wie wer wirkt und woher er kommt) und lange Zeit glaubte ich an die Konditionierungen und Zwänge von Gesellschaft und Religion.

Die Erde ist ein Heilraum, ausschließlich, wir müssen nichts abliefern, schon gar nicht um nach dem Tod an einen tollen Ort zu kommen oder gewürdigt zu werden. Wir können nichts falsch machen. DU KANNST NICHTS FALSCH MACHEN. Ganz sicher gibt es keine Schuld und jeder der etwas anderes erzählt ist „gefährlich“, hält er doch etwas aufrecht, was zumindest den meisten Menschen nicht dient. Es gibt keine Sünde und wenn doch, dann nur in der Hinsicht, dass der sündigt, der sich nicht selbst lebt, sich nicht zum Ausdruck bringt, eine Abziehbildversion von sich lebt und seinen Mitmenschen etwas Elementares in der Begegnung vorenthält. Zwar sind wir auch dann Schöpfer unseres Lebens, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es grundsätzlich so gemeint ist.

Unsere Seele ist nicht verletzbar, wir als Mensch fühlen uns verletzt. Auf der menschlichen Ebene fühlen sich andere durch uns verletzt oder wir uns von anderen; auf der Seelenebene gibt es das nicht. Aus Sicht der Seelenebene folgt jeder seinem „vereinbarten Job“, auch im Dienste des anderen, aber nur, wenn man sich wirklich ganz selbst lebt und zum Ausdruck bringt.

Schöpfung bedeutet sich selbst ganz zu leben, auch im Dienst am Anderen

Und eigentlich erübrigt sich damit jede Frage, nach dem wie und was.

Lass uns einen Schritt in die Praxis, ins Leben, in den Alltag gehen. Aus meiner Erfahrung und inzwischen bin ich überzeugt davon, ist jedes hadern, jedes rumdoktern an sich selbst und an anderen ein Ausweichen vor dem sich selbst ganz erleben. Es mag Ausnahmen geben, wer aber psychisch und geistig so einigermaßen beieinander ist, flüchtet im hadern, rumdoktern und im Opfer seiend vor sich selbst, vor seinem Leben, so wie es gemeint ist. Ich weiß, das ist alles viel leichter gesagt als getan (oder gelebt) und es gibt dazu zwei Dilemmas. Das eine ist überhaupt nicht zu wissen oder keinen Zugang zu haben zu was oder wie man sich selbst leben soll. Und das andere ist, wenn man es weiß, es auch zu tun, sich zu leben, und sich irgendwie durch den Sumpf von Erwartungen der anderen, jemanden nicht verletzen zu wollen, Spannungssituationen aushalten, Distanz und Ablehnung erfahren, durch zu wurschteln. Als wäre das nicht schon schwer genug, schrauben wir uns die Aufgabe noch etwas höher mit unseren eigenen Zweifeln, unserem Falschsein, nicht selten ohnmächtig endend im „ich kann nicht“, „es ist mir zu viel“, mit oft nachhaltigen Folgen.

Klar kenne ich das nur zu gut. Und, das hat sich bei mir in schnellen Schritten gemildert und gedreht, als ich mich intensiv mit meinem inneren Kindergarten beschäftigte. Das Leben ließ mir keine andere Wahl. Wie drücke ich das am besten aus, ich durfte wohl fast alle ganz typischen HSP-Schmerz- bzw. Trauma-Anteile fühlen und durchdringen. Es war einfach scheußlich, wie erbärmlich, verlassen, wertlos, verraten und falsch sich meine inneren Anteile (Inneren Kinder) fühlen. Und auch, wie Recht sie haben, sich so zu fühlen aufgrund der erfahrenen Erlebnisse. Und vor allem sie zu erlauben, dass sie das so fühlen und immer so sein dürfen. Sie ganz da sein zu lassen, nicht weghaben wollen, heilen oder transformieren, nein, sie sind immer da, immer wieder tauchen sie auf und wollen einfach nur da sein dürfen und gesehen werden. (Wer hier Parallelen zu der Arbeit von Mike Hellwig erkennt, liegt richtig. Seine radikale Erlaubnis war für mich wegweisend). Was dann geschieht würde ich so ausdrücken: Es öffnet sich etwas in uns Verborgenes, etwas Wesentliches von uns kommt ans Licht, unsere Schätze zeigen sich, unser Selbst und jetzt ist es sicher und kraftvoll genug, um Schritt für Schritt gelebt zu werden. Spätestens jetzt liebst du deine hässlichen Seiten, Ängste und deren Verursacher, weil sie etwas Wundervolles und Wesentliches in Dir reifen lassen und von Dir hervor bringen, so wie bei einer Muschel aus einem schmerzenden Sandkorn eine wundervolle Perle wird.

Du wirst dich nicht selbst leben und lieben können, wenn etwas an oder in dir nicht gefühlt, gesehen und ganz angenommen ist.

Das ist allerdings wohl bei den allermeisten Menschen nicht der Fall (auch nicht dauerhaft bei mir, ganz im Gegenteil). Das klingt ernüchternd oder hoffnungslos? Nur dann, wenn du den Wunsch oder das Ziel hast, in deine Selbstliebe zu kommen, ohne den Wunsch und die Bereitschaft, dich ganz zu leben, zu zeigen und auszudrücken. Dann ist es tatsächlich hoffnungslos, aber man findet genug Menschen, die darüber reden und so tun als ob. Das ist sicher nicht falsch, aber keiner dieser Menschen lebt sich selbst, sondern versteckt sich, sein Inneres, wo aus Schmerzen Wundervolles entstanden ist, was gezeigt und gelebt werden will. Jeder wird seine Sichtweise dazu haben, ich zumindest möchte nicht gegen Ende meiner Tage sagen, ich habe mich nicht getraut, mit zurückhalten, zu viel vermieden und offensichtlich einiges verpasst, was mein Leben, meine Erfahrungen und Erkenntnisse sehr bereichert hätte. Und das Bild, dass alle HSP zu sich stehen, sich nicht beirren lassen, ihre Gaben und Möglichkeiten der Welt schenken, ist grandios. Das verändert wirlich was.

Für mich ist Selbstliebe im besten Fall ein Weg aber weder Ziel noch Zustand. Irgendwann stellst du die Frage nach deiner Selbstliebe nicht mehr, ohne dass du je eine Antwort gefunden, geschweige denn weiter gegeben hast.

Und zur Abrundung noch ein paar Worte zu HSP und sich selbst zu leben. Du und ich bringen wundervolle Gaben für die Menschen und die Welt mit, tragen diese in uns. Der hohe Schwierigkeitsgrad, diese gegen die Widerstände, Grobheit, Unverständnis und Ablehnung von außen zu zeigen, dazu zu stehen und sie zu leben, sorgt für eine hohe Reifestufe unserer Gaben, Qualitäten und Fähigkeiten. Sei sicher, dass du als auch ich sind so gewollt. Sei sicher, es gibt einen Weg, einen guten und gangbaren Weg und wir sind dafür ausgestattet, um ihn gut und kraftvoll zu gehen, kraftvoll nach unseren Maßstäben und mit den uns innewohnenden Kräften. Du als auch ich sind und waren nie Opfer. Diesen unseren Weg können und brauchen wir nicht alleine zu gehen. Wir sind es, die der Welt unseren Stempel aufdrücken. Dafür sind wir hier. Und dafür leben und zeigen wir uns und ich kann für mich sagen, dass macht einfach Spaß, ist erfüllend, das Leben wandelt sich und hat auf einmal ganz viel mit mir selbst zu tun, Selbstliebe hin oder her.

Frank Heuser, Ich ziehe deine Schwerter (die dir einen Stich versetzen), www.frankheuser.com

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