Zu geringe Selbstliebe führt oftmals zu Essstörungen

(Von Michaela Schubert)

Essstörungen werden von Selbsthass anstatt von Selbstliebe regiert. Was dazu führt, dass essgestörte Personen sich und ihren Körper rigoros ablehnen. Betroffene finden sich äußerst hässlich und mäkeln stets an ihrer Figur herum, obwohl es für Außenstehende augenscheinlich gar nichts zu kritisieren gibt.

Aus einer anfänglich geringen Ablehnung beispielsweise gegen den Bauch oder die Oberschenkel, kann sich eine handfeste Essstörung entwickeln. Die Ursachen sind nicht ausschließlich dem Schönheitsideal zuzuschreiben. Verschiedenste Traumata oder auch unscheinbare Äußerungen können die Entstehung einer Essstörung begünstigen. Doch dies muss man erstmal wissen.

Zu welchem Zeitpunkt informiert man sich?

Richtig, in der Regel dann, wenn es bereits Probleme gibt. Keiner entscheidet sich bewusst für eine Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder für eine Essanfallstörung. D.h. auch, keiner lehnt sich von heute auf morgen vehement ab. Der Beginn ist schleichend, also sind bereits im Vorfeld erste Anzeichen erkennbar.

Aber: Nicht jeder ist anfällig für eine Essstörung und nicht immer muss eine Essstörung einen extremen Weg Richtung Tod einschlagen.

Warum benötigen Essstörungen deutlich mehr Aufmerksamkeit?

Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Uns mangelt es wirklich an nichts. Und doch wird in unserer westlichen Welt in allen Medien eine Verknappung von Lebensmitteln propagiert. Hauptsache rank und schlank. Ist das erreicht, kommt der Erfolg von ganz allein.

Unser Körper hat noch immer nicht gelernt, mit dem Überangebot an Nahrungsmittel klarzukommen. Die Evolution benötigt ihre Zeit.

In einer mediengesteuerten Gesellschaft, in der Gesundheit, Schönheit, Smartheit, Erfolg an obererster Stelle stehen und sich die Regale der Discounter und Internetmärkten biegen, muss ein Umdenken und eine gezielte Aufklärung stattfinden. Weg vom Verzicht, hin zum maßvollen Genuss und zurück zur Selbstliebe. Wer mit sich im Reinen ist, kann der Verlockung einer Essstörung deutlich besser widerstehen, als jemand, der innerlich zerrissen ist.

Mangelt es uns wirklich an nichts?

An Lebensmitteln fehlt es uns tatsächlich nicht. Uns mangelt es vielmehr an Selbstwert und Selbstliebe. Minderwertigkeitskomplexe bilden die beste Grundlage für eine Essstörung. Wir müssen uns solange optimieren und verändern, bis wir den Vorgaben der anderen entsprechen. Damit sie uns lieben können. Damit wir Aufmerksamkeit erhalten. Damit wir mit unserem perfekten Sein dazugehören etc. Was bleibt ist eine innere Leere.

Die Liebe zu sich selbst braucht keine Idealfigur, sondern einen ausgeglichen Menschen, der sich mit seiner wundervollen Individualität annehmen kann. Essgestörten fällt dies unheimlich schwer. Eine fachgerechte Unterstützung ermöglicht den Betroffenen, sich langsam den eigenen Stärken und Schwächen (wieder) bewusst zu werden.

Warum ist das Bewusstsein für Essstörungen noch klein?

Die Medien berichten gern von einer vorherrschenden nicht liebenswerten dicken-Kind-Generation. Ich kann diesen Trend nicht bestätigen. Was mir auffällt ist, dass junge Menschen immer dünner werden, sich aber dennoch nicht richtig fühlen. Der Drang sexy zu sein, fängt bereits in jungen Jahren an. Und sexy sind schließlich nur schlanke Personen.

Solange das extreme Schlanksein positiv bewertet  wird, wird das Bewusstsein für die Gefährlichkeit von Essstörungen nicht wachsen. Oftmals reicht eine Diät aus, um den Stein der Essstörung ins Rollen zu bringen.

Das Thema gesunde Ernährung schwebt wie eine dunkle Wolke über uns. Schließlich geht Liebe durch den Magen. Aber bitte was und welche Lebensmittel sind gesund? Light,- Wellness-, Diätenprodukte? Verzicht auf Kohlehydrate? Nahrungsergänzungsmittel, die eine Vitalität vorgaukeln? Warum geraten das viel wichtigere Selbstbewusstsein und sich wertschätzen in den Hintergrund? Mir ist bewusst, dass ich die Fragen nicht vollständig beantwortet habe. Im Gegenteil, ich warf weitere Fragen auf.

Das Thema ist wie ein Fass ohne Boden. Warum ist Aufklärung wichtig?

Je eher eine Essstörung erkannt wird, desto eher können intervenierende Schritte eingeleitet werden. Ich habe mir frühzeitige Aufklärungsarbeit auf die präventive Fahne geschrieben. Aber warum ist mir das so wichtig? Warum bin ich der Meinung, dass den Essstörungen deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss? Und warum ist das Bewusstsein dafür noch sehr klein? Ich kann mit meiner Arbeit all das nicht verhindern, aber ich kann als persönlicher Experte berichten, wozu Essstörungen fähig sind und dass es möglich ist, trotz jahrelangen Hasses sich wieder selbst zu lieben.

Michaela Schubert, www.happy-kalorie.de, Autorin von „Essstörungen – Was ist das?

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