Pech in der Liebe?

(Von Monika Richrath)

Die Liebe ist für hochsensible Menschen ein wirklich schwieriges Stress-Thema. Die Hochsensibilität führt vielleicht dazu, dass wir vieles besonders schwer nehmen (z. B. Kränkungen), besonders viele Ängste entwickeln (z. B. bevor wir jemandem unsere Liebe gestehen) oder es vielleicht auch gar nicht wagen, auf jemanden zuzugehen. Und natürlich leiden wir unendlich, wenn es vorbei ist. Manchmal jahrelang (glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche)!

Kommt Ihnen diese Situation vor?

Sie lernen irgendwo jemanden kennen, den oder die sie sehr attraktiv finden und sie kommen zusammen. Aber es dauert nicht lange, bis erste Probleme auftauchen. Er oder sie zieht sich innerlich zurück, ist ausweichend, will sich meistens nicht festlegen. Aber es ist nicht immer so. Manchmal gibt es auch sehr intensive Momente, in denen sie einander offenbaren können. Davon oder dafür leben sie. Aber diese Momente werden immer seltener und hören irgendwann ganz auf. Oder Sie stellen fest, dass ihr Traumprinz oder Ihre Traumprinzessin das Interesse an Ihnen verliert oder sich womöglich jemand anderem zuwendet (was Sie vielleicht gar nicht wissen) oder Sie verlässt (manchmal von heute auf morgen) und Sie wissen nicht wohin mit sich vor lauter Liebeskummer.

Oder Sie sehnen sich ganz verzweifelt nach Liebe,

aber Sie finden einfach nicht die richtige Person, mit der Sie sich eine Beziehung vorstellen können? Oder Sie verlieben sich grundsätzlich nur in Menschen, die bereits anderweitig gebunden sind? Oder Sie interessieren sich grundsätzlich nur für den Typ „Bad Boy“ oder „Bad Girl“, wo Sie schon von vornherein wissen, dass es nur für eine Nacht, oder eine Woche ist? Oder Sie haben grundsätzlich nur Affairen, weil Sie Angst davon haben, dass jemand herausfinden, wie Sie wirklich sind und Sie verlassen könnte?

Irgendwann bekommt das ganze so eine Eigendynamik, Beziehungen haben dann überhaupt keine Chance mehr sich zu entwickeln, weil die Angst, dass es zu Beziehungsabbrüchen kommen könnte, immer größer wird und die Beziehungsabbrüche sich mehren … Irgendwann kommt unweigerlich der Moment, an dem Sie dann überzeugt sind, von Pech in der Liebe verfolgt zu werden.

Permanent zurückgewiesen zu werden kann verflucht weh tun.

Dann zweifelt man an sich selbst und fragt sich vielleicht, ob man vielleicht nicht liebenswert ist in dem Sinne, ob man es wert ist, geliebt zu werden? Das produziert noch mehr Schmerz und Verzweifelung und treibt eineN in eine Art einsame Abwärtsspirale.

Ich möchte Ihnen dazu gerne einmal etwas sagen – was Sie vermutlich nicht gerne hören. (Aber glauben Sie mir, ich war zehn Jahre lang Single und weiß ganz genau, wovon ich spreche. Ich habe einmal fünf!!! Jahre (ich finde das selbst so unglaublich mittlerweile) in einer Art Nichtbeziehung ausgeharrt, in der ich überhaupt keinen festgelegten Status hatte – nur die Gewissheit, dass ich geliebt wurde. Meine Partnerin und ich haben über zehn Jahre gebraucht, um uns in einer festen Beziehung miteinander wirklich aufeinander einzulassen …)

Die Einsamkeit rufen Sie selbst hervor

Bevor Sie nun empört „Blöde Kuh“ schreien, Ihren Computer oder Ihr Handy an die Wand werfen, lesen Sie bitte einfach erst einmal weiter. Natürlich ist dies nicht im Sinne von „Sie sind es selbst schuld“ gemeint. Ganz im Gegenteil, Sie können überhaupt nichts dafür – jedenfalls nicht, solange Sie nicht wissen warum.

Es geht außerdem auch nicht darum, wie Sie sich eine Beziehung vorstellen oder wie Ihr Partner/Ihre Partnerin sein soll, damit Sie es schön miteinander haben. Es geht auch nicht darum, was Sie miteinander tun und lassen (das wird erst später wichtig!) Die einzige Frage, die Sie sich stellen können, wenn Sie da raus wollen ist:

Wie fühlt Liebe sich für Sie an?

Es ist völlig gleich, dass Sie eigentlich etwas anderes wollen. Maßgeblich ist in diesem Zusammenhang, wie Sie großgeworden sind, wie Ihre Beziehungspersonen sich Ihnen gegenüber verhalten haben.

Bindung

ist für Menschen genau so wichtig wie Nahrung, Schlaf, Bewegung usw. Bindungsforschern zufolge sind die ersten drei Lebensjahre bindungstechnisch entscheidend. Die Beziehungsregeln, die wir in dieser Zeit lernen, legen fest, wie wir später durchs Leben gehen, welche Beziehungen wir leben und wie gesund wir sind. Mittlerweile weiß man sogar um den Zusammenhang von Erkrankungen im späteren Leben und belastenden frühkindlichen Bindungserfahrungen (Mehr dazu an anderer Stelle auf diesem Blog).

Vier Bindungsstile

Vielleicht haben Sie schon einmal von den vier Bindungsstilen gehört, die der Psychiater und Psychoanalytikers John Bowlby entwickelte. Anfang der 60er Jahre wurden diese noch angezweifelt, was die Fachwelt aber zwischenzeitlich aufgegeben hat, da sie durch viele Studien bestätigt wurden.

1. Die sichere Bindung

In einer sicheren Bindung hat ein Baby das Gefühl, dass die Bindungsperson sich ihm gegenüber feinfühlig verhält, auf seine Bedürfnisse eingeht und Zuverlässigkeit bietet, so dass es sich emotional in Sicherheit fühlt. Ein sicher gebundenes Kind wird weinen, wenn die Mutter weggeht, lässt sich aber leicht nach ihrer Rückkehr beruhigen. Ein solches Bindungsmuster sollen 60 bis 65 % aller Kinder erleben. Es führt dazu, dass das Kind eine gewisse Widerstandskraft gegen psychische Belastungen entwickelt und Empathie empfinden kann.

2. Die unsicher-vermeidende Bindung

In einer unsicher-vermeidenden Bindung hat das Baby das Gefühl, dass es von den Eltern keinen Schutz und keine Sicherheit bekommt und dass es alleine zurechtkommen muss. Das Baby unterdrückt daraufhin sein Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung. Ein Kind, das so aufwächst, wird gar nicht darauf reagieren, wenn die Mutter weggeht, und auch nicht, wenn sie wiederkommt. Trotzdem reagieren sie körperlich sehr heftig. Dieses Bindungsmuster sollen 20 bis 25 % aller Kinder erleben. Kinder, die so aufwachsen, sind weniger widerstandsfähig gegen emotionale Belastungen.

3. Die unsicher-ambivalente Bindung

Diese ähnelt der unsicher-vermeidenden Bindung, beinhaltet aber, dass die Eltern chaotisch auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren, mal erfüllen sie diese, manchmal lehnen sie sie ab. Bei Problemen ziehen sich solche Kinder eher zurück und sind gestresst in Gegenwart ihrer Eltern, auch wenn sie sich an ihre Eltern klammern können. Diesen Bindungsstil sollen 10 bis 15 % aller Kinder erleben. Kinder, die so aufwachsen, können sich weniger gut in andere Menschen hineinversetzen.

4. Die Desorganisierte Bindung

Immerhin 5 – 10 % aller Kinder sollen in desorganisierten Bindungen aufwachsen. Da kann man sich auf überhaupt nichts mehr verlassen. Erregung und Anspannung der Mutter wechseln ab mit Vernachlässigung und Desinteresse. Im Zustand der Erregung kann die Mutter dann eher eine Bedrohung für das Kind darstellen. Desorganisiert gebundene Kinder laufen z. B. nach der Trennung auf die Mutter zu, aber drehen auf halbem Wege wieder um oder zeigen Zeichen von Stress, wenn sie mit ihrer Bindungsperson zusammenkommen.

Haben Sie sich dort irgendwo wiedererkannt?

Erkennen Sie das Muster Ihrer Beziehungen wieder? Verstehen Sie, dass, wenn das Verhalten Ihrer Eltern gegenüber eher vermeidend, ambivalent oder desorganisiert war, es für Sie einfach sehr schwierig ist, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, die sich durch Kontinuität, Nähe und Intimität auszeichnen? Sie ziehen dann Menschen an, die ebenso aufgewachsen sind und ein Problem mit Nähe, Intimität und Kontinuität haben. Das können dann Menschen sein, die sich im Kontakt mit anderen hauptsächlich auf Sexualität konzentrieren, Menschen, die sich zurückziehen, sobald es schwierig sind, Menschen, mit denen man einerseits sehr intensive Momente erleben kann, bei denen man andererseits aber auch öfter das Gefühl hat, dass es gar keine Nähe gibt. Gerade letzteres kann einen zur Verzweifelung treiben.

Wie können Sie es jetzt schaffen, Ihre Beziehungsmuster zu verändern?

Machen Sie sich bewusst, dass es einfach nicht ausreicht, sich andere Beziehungen zu wünschen – solange Sie auf das gepolt bleiben, was Sie zuhause erlebt haben, werden Sie immer wieder Menschen in ihr Leben ziehen, von denen Sie ganz genau das bekommen, was Sie zuhause auch bekommen haben. Menschen, die sich anders verhalten, finden Sie dann gar nicht attraktiv – das ist leider so. Nur ganz wenige Menschen haben einen so starken Willen, dass sie mit schierer Willenskraft etwas vollkommen Anderes in ihr Leben holen.

Aber es ist auf jeden Fall möglich, hier einen Schalter umzulegen! Die Klopfakupressur eignet sich wunderbar dazu, die bisherige Bindungsprogrammierung aufzulösen.

Monika Richrath, www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible

2 Kommentare

  1. Erst sah ich Pech, versagt wie auch immer
    Jetzt merke ich das all das von zwei Menschen nicht nur einseitig ist.
    Du siehst wie in einen Spiegel und fragst…hm Pech in der Liebe? Ist es das unbedingt? Vielleicht nur wieder Erkenntnisse, bis wir manches durch sind. Lebe dich, spüre dich, umarme das Leben und denke Dir, wie schön es ist mit Dir eins zu sein. Statt ständig zu hinterfragen und dich ab zu tun in Gedanken. Bekomme den Kopf frei und sage dir es war so. Abhacken.
    Sei mit Dir eins. Ich habe gemerkt sich zu viel aufladen, zu deinem eigenen machen geht unheimliche Energie verloren und meist deiner kostbaren Zeit.
    Durchatmen, Aufatmen und sich selbst zuwenden statt Zeiten zu vergeuden. Es gibt Menschen die sich Vorteile verschaffen, darauf bedacht sind
    und in allem Ihre Vorteile sehen. Das ist vergeudete Liebesmühe.
    Am Ende Augepowert zertmarternd, ziehst Du nach viel zu langer Zeit die Reißleine. Es ist gut so wie es.. Das Leben hat dich wieder mit vielleicht noch schöneren Facetten, lass Dich vom deinem Leben überraschen

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