Mein Körper & Ich – eine besondere Beziehung

( Von Michaela Gongora)

Es ist etwas, das uns alle vereint – wir leben in einem physischen Körper, dem wir es verdanken überhaupt lebensfähig zu sein. Trotzdem ist diese Beziehung – zwischen dem Körper & dem eigenen Ich – zunehmend gestört. Dies äußerst sich sowohl in diversen Beschwerden als auch in einer Schönheits-Industrie, die kaum mehr fassbar ist. Woran liegt das?

Unsere westliche Medizin und Welt-Anschauung ist sehr analytisch geprägt – d.h. wir sind stets auf der Suche nach der Ursache. Wir wollen schnell Lösungen erzielen & ein Symptom beseitigen. Dieser Wunsch ist zwar absolut verständlich, er lässt sich allerdings nicht immer auf Anhieb erfüllen. Unser Körper ist ein hochkomplexes System, das sich nicht durch einen Knopfdruck oder durch ein Medikament verlässlich beeinflussen lässt.

Denn jeder Mensch & somit auch jeder Körper ist v.a. eines – INDIVIDUELL. Deshalb ist es für den gegenseitigen Kontakt wertvoll, wenn ich mich selbst & mein Gegenüber ganzheitlich betrachte. Das heißt, ich mache mir ein Bild von der Person als Ganzes, achte auf die jeweiligen Verbindungen sowie auf das Umfeld, in dem jeder mit seinem Körper lebt.

Beim Verstehen von Zusammenhängen kann das Wissen über einen auslösenden Moment hilfreich sein. Allerdings lassen sich bestimmte Beschwerden oder Verhaltensweise nur rückwirkend wieder auflösen – d.h. man schaut sich an, „was jetzt gerade ist“ sowie was mit einer bestimmten Situation verbunden wird – sowohl gedanklich als auch emotional.

Während ich diesen Artikel verfasse, bin ich selbst manuell gehandicapt. Vor einigen Tagen habe ich mich am Daumen verletzt. Somit bin ich gerade eher immobil was Schreiben, Greifen und Halten betrifft. Wie kann ich jetzt damit umgehen?

  • Ich analysiere die Situation ausgiebig und frage mich, was mir das Ganze sagen will? Wo will ich z.B. eine Chance nicht ergreifen? Was kann ich nicht mehr halten?
  • Ich schimpfe ausgiebig mit mir und fühle mich schuldig, weil ich es nicht besser gemacht habe.
  • Ich ignoriere es und beiße die Zähne zusammen.
  • Ich nehme mir vor in Zukunft immer und jederzeit ganz besonders vorsichtig zu sein.
  • Ich nehme es an, wie es jetzt gerade ist. Sorge gut für meinen Körper, unterstütze ihn und vertraue auf seine Selbstheilungskräfte.

In welchem Verhalten erkennen Sie sich wieder? Früher war ich eher im Bereich 1-4 unterwegs – doch das ging meistens zu Lasten meiner eigenen Lebendigkeit oder meines Körpers. Mittlerweile setze ich immer mehr auf Option 5 – und spüre, dass es uns dabei richtig gut geht. De Facto hieß das am Wochenende – Plan-Änderung. Anstatt Haus- & Computer-Arbeit – Pause, Cremen, Finger ruhig halten und abwarten.

Heutzutage geben wir uns oft nicht mehr die nötige Ruhe & Zeit, die der Körper braucht um seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Wir spüren nicht mehr intuitiv, was jetzt gerade gut für uns ist – sondern verlassen uns darauf, was andere uns sagen. Weil wir den Kontakt zu unserem Körper nicht ausreichend pflegen und dadurch das Vertrauen ins uns & in ihn verloren haben.

Vielleicht kennen Sie das aus der Entwicklungsforschung: Obwohl Säuglinge mit allem Lebensnotwendigen versorgt werden (Nahrung, Schlaf, Körperpflege) – können Sie sich ohne liebevolle Zuwendungen und Zuneigung dennoch nicht wie gewünscht entwickeln. Mit unserem Körper verhält es sich ähnlich. Er braucht mehr von Ihnen, als eine allgemeine Versorgung und das Abhalten von Schädigungen. Er braucht SIE! Ihre Liebe, Ihren Zuspruch, Ihr Vertrauen und Ihre Energie. Er braucht einen verlässlichen Partner!


Wenn Sie mögen, dann führen Sie in den kommenden 2 Wochen folgende Kontakt-Übung durch:

Mentale/Emotionale Ebene – Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Körpers und fragen sich regelmäßig:

  • Fühle ich mich wohl, mit meinem Partner – mit meinem Ich?
  • Ist das die Art Partnerschaft, die ich mir vorstelle?
  • Wenn nicht – was brauche ich, um mich besser zu fühlen?

Physische Ebene – Spüren Sie Ihren Körper:

Bewegen Sie Ihren Körper bewusst und ohne Ziel-Festlegung – gehen Sie z.B. spazieren oder tanzen zu Ihrer Lieblingsmusik. Gönnen Sie sich etwas – besuchen Sie beispielsweise mal wieder die Sauna oder genießen Sie ein leckeres Essen. Alles ist erwünscht, was Sie in Kontakt mit Ihrem Körper bringt.

Nach diesem Zeitraum resümieren Sie, ob und was sich bei Ihnen beiden verändert hat. Anschließend legen Sie fest, was Sie davon in Ihren Alltag übernehmen können und wollen.


Diese kleine Übung ist für alle geeignet, die wieder mehr mit sich in Kontakt treten wollen. Natürlich verstehe ich, dass es Menschen in krisenhaften Zeiten schwerer fällt, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Ebenso bei schweren Krankheitsbildern, die selbstverständlich ärztlich betreut werden müssen. Dennoch liegt in dieser Beziehungs-Arbeit ein großes Potential für Sie beide – Ihr Körper wird es Ihnen danken.

Wir Menschen leben gerne in partnerschaftlichen Beziehungen. Warum also nicht auch mit uns selbst? Und wenn es nicht auf Anhieb klappt – seien Sie geduldig mit sich & Ihrem körperlichen Partner. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der (Wieder-)Entdeckung dieser ganz besonderen Beziehung.

Michaela Gongora, Coaching & Therapie, http://www.michaela-gongora.de/

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