Liebe und so!

(von Monika Reißlandt)

Zwei Menschen begegnen sich und es „springt ein Funke“ über.  Daraus wird ein Verliebtsein und wenn mehrere Faktoren übereinstimmen wird das Gefühl tiefer.
Diese beiden beschließen, dass sie zusammenbleiben wollen.
Der Ausgangspunkt ist hierbei Verliebtheit, vielleicht schon Liebe.
Vielleicht entstehen Kinder aus dieser Beziehung und das Paar-Sein gerät in den Hintergrund.

Als Familiengründer haben wir erst einmal dafür zu sorgen, dass unser Nachwuchs gut heranwächst.

In unserer heutigen Zeit ist es aber auch so, dass der einzelne in der Beziehung auch gesehen werden möchte.

Im klassischen Rollenbild versorgt die Mutter die Kinder (ist immer noch sehr oft so) und der Vater geht nach draußen um Geld zu verdienen. So hat der Vater einen großen Raum, in dem er sich bewegen kann und die Mutter ist weiterhin (wie im Neandertal) für den Haushalt und das kleine Reich zuständig, welches um sie herum ist. Eine große Reichweite entsteht nicht.

Das bezieht sich dann auch auf  die Gespräche. Während der Vater „große“ Gespräche führt, führt die Mutter eher „kleine“. Die Reichweite beider Partner ist so unterschiedlich wie die Selbstwirksamkeit empfunden wird.
Tatsächlich ist die eine Reichweite eine Räumliche und die andere eine Zeitliche. Und es ist das Empfinden, das den Wert dafür bestimmt.

Wenn die Mutter es so empfindet, dass die eigene Selbstwirksamkeit nicht ausreichend ist, weil z.B. die Gespräche nicht mehr so laufen, dass Selbstwirksamkeit und Erfolg spürbar sind, kann es sein, dass dies dem Ehemann angerechnet wird. Die Reichweite ist dabei zu beachten, denn diese ist räumlich nicht groß, sondern nur auf die „Höhle“ bezogen. Der Ehemann ist die nächste anzusprechende Person.

Der Ehemann gibt sich Mühe die Ehefrau zu verstehen. Er versucht es mit Zuhören, mit Weghören, mit Geduld, mit Ungeduld. Oftmals werden seine Bedürfnisse nicht mehr erfüllt. Er wird zum Lieferanten für den Unterhalt der Familie. So wird ganz langsam seine Rolle in der Familie eine Ähnliche wie im Beruf. Die Selbstwirksamkeit ist groß, aber seine Leistung wird nicht anerkannt. Für ihn fehlt ein Feedback, das mehr ist als der Gehaltsscheck am Monatsende.

Beide Partner sind im Konflikt, da die Rolle, in der sie sind, nicht das ist, weshalb sie einstmals in diese Ehe/Partnerschaft gegangen sind.
Es entstehen weitere Kommunikationsprobleme. Die Situation spitzt sich zu. Die jeweiligen Gefühle schwanken zwischen Liebe und verletzter Liebe.

Es gibt ein schönes Buch von Uwe Böschemeyer: „Weil ich es Dir nicht sagen konnte“.  Dieser Titel beschreibt, wohin die Kommunikationsstille führt. Es wird nicht mehr über das Wesentliche im Paarsein gesprochen. Themen sind: Windeln, Einkaufen, Chef, Kollegen, die Nachbarn.
Wenn dann doch einer von beiden sich aufmacht und den Mut fasst über sich zu sprechen, dann ist das oft im „Null-Summen-Spiel“ : „Du hast dann….“ und der andere antwortet: „Aber Du hast auch …“

Hier ist es m.E. wichtig, dass beide Partner sich daran erinnern, weshalb sie einstmals zusammen kamen. Ein „Null-Summen-Spiel“ war nicht das Ziel. Es war eine gemeinsame Zukunft mit dem Grundgefühl der Liebe, eine gemeinsame Zukunft als Eltern, eine gemeinsame Zukunft als Paar.

Jetzt ist es leicht sich zu trennen. Die räumliche Trennung findet statt, die finanzielle Trennung findet statt, die emotionale Trennung findet statt.

Die Kinder stellen weiterhin eine Verbindung da, denn auch hier fand eine „gute“ Trennung statt mit geregeltem Kontakt und – wenn wirklich alles gut geht – einem guten Austausch und ausreichender Kommunikation über die Kinder.

Der Raum der Liebe zwischen diesen beiden Menschen ist nicht mehr existent. Und vielleicht wird der nächste Raum der Liebe mit einem anderen Partner gesucht.

Ich behaupte nun, wenn die Liebe zwischen diesen beiden am Anfang dieses Textes genannten Menschen so stark war, dass sie eine Familie gründen wollten und ihr Traum der eines älteren Ehepaares auf einer Bank im Park oder am eigenen Haus war, dann ist es möglich mit Arbeit an diesem Traum, die Liebe aufrecht zu erhalten.

Den Raum der Liebe gibt es. Das Zutrauen mit diesem Menschen, der eine andere Reichweite hat, der womöglich anders kommuniziert, der tatsächlich die eine oder andere Verhaltensweise hat, wie die eigene Mutter oder der eigene Vater, in dem Raum der Liebe zu sein und es auszuhalten.

Es auszuhalten, dass der andere anders ist.

Es auszuhalten, dass der andere nicht so ist, wie man ihn gerne hätte.

Es auszuhalten, dass es auch mal Verletzungen gibt.

Und noch viel mehr: es auszuhalten, dass es Versöhnungen gibt.

Definition von Aushalten: den sicheren Boden spüren, auf dem diese Partnerschaft begründet ist. Die Liebe ist das Fundament dieses Hauses.

Wenn jetzt ein Fenster versetzt wird oder die Eingangstür an der Seite angebracht wird, so steht das Haus immer noch auf diesem Fundament.

Und mit dem Spüren des sicheren Fundamentes (dem Raum der Liebe), sagen, was gerade zu sagen ist. Achtsam und wertschätzend miteinander kommunizieren, die Gefühle des anderen respektieren („das ist doch Quatsch“, „der/die beruhigt sich schon wieder“ hilft da nicht!!), dem anderen den Raum lassen, den er für einen momentanen Rückzug braucht.
Signale setzen, wenn die eigene Unpässlichkeit nichts mit dem Partner zu tun hat. Denn ja, auch das gibt es.
Morgens aufstehen und der Tag ist schon gebraucht! Dafür kann der Partner nichts. Dies deutlich machen und im eigenen Raum das für sich regeln.
Den anderen in seinem Raum lassen, für die Zeit, die dieser braucht. Dann gemeinsam sich wieder im Raum der Liebe einfinden.

Der Raum der Liebe ist immer da, solange es Liebe zwischen den Partnern gibt. Dies ist eine sichere Angelegenheit. Immer mal hinsehen und ihn wahrnehmen, ist ein wichtiger Aspekt!

Monika Reißlandt, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Shiatsu-Praktikerin (GSD-zertifiziert), www.reisslandt.de

Ein Kommentar

  1. Sehr interessant! Ich überlege manchmal, ob Liebe wirklich ein Gefühl ist – bei den 4(5) Hauptgefühlen, die die Psychologie definiert, ist sie nämlich nie dabei. Das Ebook von Colin Bear – der sich wiederum auf Erich Fromm bezieht – hat mich nachdenklich gemacht …

    LG Ulrike

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