Eigenverantwortung & Selbstliebe: Gesundheit selbst in die Hand nehmen?

Interview mit der Buchautorin Susanne Gärtner:

Liebe Frau Gärtner, wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Buch zur Borreliose zu schreiben und warum steht das Thema eng in Verbindung mit Eigenverantwortung?

Ich war mehr als 15 Jahre selbst von einer chronischer Borreliose betroffen und habe in dieser Zeit viele Arztpraxen und Kliniken kennengelernt. Auf der Suche nach Gesundheit glaubte ich, die Borreliose sei schnell zu überwinden, wenn ich diese mit Antibiotika behandeln ließ. Im Laufe der Jahre wurden die Beschwerden jedoch immer schlimmer und schließlich prognostizierte mir ein Arzt, ein Leben im Rollstuhl. Ich habe viele Jahre geglaubt, die Ärzte und Therapeuten bei denen ich in Behandlung war, würden mich heilen, doch ich durfte lernen, dass dieser Weg so nicht funktioniert. Denn jeder Mensch hat seine Gesundheit selbst in der Hand. Es geht um Selbstverantwortung. Das habe ich erst sehr spät erkannt.


Inwiefern beeinflussen wir unsere Gesundheit selbst?

Zunächst mal geht es darum, die Entscheidung für Gesundheit zu treffen. Viele Patienten aber auch ich früher haben gesagt, sie würden gern gesund werden und würden dafür alles tun. Um ehrlich zu sein, bis zu dem Tag, als mir ein Leben im Rollstuhl prognostiziert wurde, war es schon mein Wunsch gesund zu werden, aber ich tat nicht viel dafür. Ich lief und Arzt zu Arzt, ich landete ständig in der Notaufnahme aber ich gab meine Verantwortung ab. Ich selbst tat wenig dazu, außer die Einnahme von Medikamenten.

Jeder Mensch besitzt aber die Entscheidungsfähigkeit, für sich und seine Gesundheit einzustehen. Das geht bei der Ernährung los. Esse ich bewusst Lebensmittel, die mich nähren, oder welche die mich kraftlos und müde machen? Hier geht es bereits um achtsamen Umgang mit sich selbst. Nach welcher Nahrung bin ich fit und vital und wonach schlafe ich gleich ein? Verzichte ich bewusst auf Süßigkeiten, weil ich zum Beispiel weiß, dass sich Borrelien davon ernähren oder bevorzuge ich Gemüse und Knoblauch, weil das meine Gesundheit fördert. Trinke ich Cola und Kaffee oder führe ich stilles Quellwasser zu, welches gleichzeitig den Flüssigkeitshaushalt reguliert und Energie spendet. 

„Der Mensch ist, was er isst“. (Ludwig Feuerbach) oder ein altes Sprichwort besagt: Man ist, was man isst. Allein die Ernährung sagt viel darüber aus, wie wertvoll wir uns selbst ansehen und ob wir achtsam mit uns unserem Körper umgehen. Das beginnt schon beim Frühstück. Esse ich morgens auf dem Weg und trinke Kaffee to go oder nehme ich mir bewusst Zeit, um in den Morgen zu starten. Esse ich schnell und hastig, weil ich Stress gewöhnt bin oder verdaue ich bewusst und unterstütze meinen Körper.

Neben der Ernährung gilt das gleiche für Bewegung und Entspannung. Nur zu wissen, dass Bewegung gesund ist, reicht nicht. Zu wissen, wo Entspannungskurse angeboten werden, bringt noch niemanden aus dem Stress. Sie müssen aktiv werden. Und hier hapert es bei den meisten.


Haben Sie eine Idee, warum wir oft wenig liebevoll mit uns selbst umgehen?

Wir sind es gewohnt in unserer geliebten Komfortzone zu verharren. Wir haben tausende von Ausreden, warum wir heute zu kaputt sind, morgen der Geburtstag der Schwiegermutter wichtiger ist und übermorgen der Wochenendeinkauf erledigt werden muss. Diese alten eingefahrenen Verhaltensweisen kennen wir zu genüge. Das sagt aber eben viel darüber aus, ob wir es uns wert sind,  für uns und unsere Gesundheit einzustehen und aktiv etwas dafür tun oder welchen Wert wir uns selbst geben. Ich möchte sogar noch einen Schritt weitergehen. Dieses Verhalten sagt viel darüber aus, wie liebevoll wir mit uns umgehen und wie wertvoll wir uns selbst ansehen. Bin ich es mir wert gesund zu sein und kraftvoll meinen Alltag zu leben oder schwimme ich mit der Masse mit und nehme Beschwerden in Kauf? Bin ich bereit mit dem Rauchen aufzuhören, weil ich weiß, wie schädlich Nikotin ist, oder ist es mir wichtiger in der Mittagspause mit den Kollegen zusammenzustehen und dazuzugehören?

Mir war das früher nie so klar, aber als ich meine Verantwortung zurücknahm, wurde mir sehr bewusst, wie wenig liebevoll ich vorher mit mir umgegangen bin. Ich erwartete von meinem Körper, von den Ärzten, dass sie doch bitte alles taten, damit es mir besser ging. Ich selbst aber wollte mich eigentlich nicht bewegen, nichts verändern. Es war so schön bequem. Und bequem klingt doch toll, oder?


Wie haben Sie es geschafft, die Eigenverantwortung zurückzunehmen?

In meinem Fall war das leicht. Lange hatte ich den Glaubenssatz in mir, Borreliose ist nicht heilbar. Entsprechend glaubte ich auch nicht wirklich daran, dass egal was ich tat, irgendetwas Besserung brachte. In dem Moment, wo ich die Prognose bekam, vielleicht nie mehr laufen zu können, musste ich mich bewegen, wenn ich das Schicksal so nicht hinnehmen wollte. In diesem Moment war ich zu allem bereit. Ich beobachtete mich genau. Was tat mir gut und was nicht. Welche Therapien brachten Besserung. Welche Lebensmittel taten mir gut. Welche Bewegungs- oder Entspannungsübung brachte Linderung. Ich beobachtete mich und meinen Körper ganz genau und sah meinen Körper nicht mehr als Feind an, den es zu bekämpfen galt, sondern als Freund. Wir mussten uns nur kennenlernen. Dieser Prozess brauchte Zeit.

Grundsätzlich glaube ich geht es dabei viel um innere Überzeugungen. Viele Menschen haben sich mit Ihrer Krankheit, Ihren Beschwerden arrangiert. Sie gehen einen Job nach, der sie nicht erfüllt, nur weil er Geld bringt, aber er macht sie unglücklich. Psychische und körperliche Symptome stehen immer auch in Bezug zur körperlichen, geistigen und seelischen Ebene. Wenn wir in der Partnerschaft unglücklich sind, halten die meisten von uns aus. Aus Angst vor dem Allein sein, aus Angst keinen anderen Partner zu finden, bleiben wir in einer unglücklichen Beziehung und fühlen uns zunehmend traurig. Auch das hat wenig mit Selbstliebe zu tun. Wir stellen Erwartungen an den Partner/an die Partnerin und sind wütend, wenn dieser unsere Bedürfnisse nicht erfüllt. Doch wir sind es, die dafür zu sorgen haben. Wir nehmen körperliche und psychische Beschwerden in Kauf, weil wir Angst vor der Eigenverantwortung haben. Angst vor den Konsequenzen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, immer wenn ich mutig war, wurde ich vom Leben und vom Universum in meinem Prozessen unterstützt und immer wenn ich alte Verhaltensweisen losgelassen habe, sind neue entstanden, die mich sehr viel glücklicher gemacht haben.


Herzlichen Dank für das Interview

Susanne Gärtner , Heilpraktikerin http://hppraxis-gaertner.de/ und Autorin von Borreliose – Die verschwiegene Volkskrankheit

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