Die Verwirrung der Geschlechter – wenn Männer Angst vor starken Frauen haben

(Von Denise Schäricke)

Gerade gestern wieder kam ich mit Frauen zusammen, die es geschafft haben, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Egal, ob selbständig oder angestellt. Was alle diese Frauen gemeinsam haben, ist, dass sie nicht auf ein zweites Gehalt angewiesen sind, sich nicht „aushalten lassen“ müssen, sondern wunderbar allein zurechtkommen.

Was diese Frauen außerdem noch gemeinsam haben, ist: sie sind Single. Und der O-Ton bei diesem Thema war: „Immer wieder schrecken die Männer zurück, wenn sie erfahren, was ich beruflich mache. Männer haben Angst vor starken Frauen.“ Dann nickten alle Damen einvernehmlich und wir wechselten das Thema.

Doch ist das wirklich so?

In Gedanken ging ich meinen Freundes- und Bekanntenkreis durch. Wer ist vergeben? Wer ist Single? Die Zahnarzthelferin – vergeben. Die Verkäuferin – vergeben. Die Abteilungsleiterin – Single. Die Psychologin – Single. Die Rechtsanwältin – Single… Es scheint in der Tat so zu sein, dass die mit den höher gestellten Berufen es schwerer haben, in eine Partnerschaft zu kommen. Während diejenigen mit den „normalen“ 9 to 5 Jobs es scheinbar leichter haben, den Partner fürs Leben zu finden (und auch zu halten).

Gibt es Ausnahmen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis? Ehrlich gesagt, jein. Wenn eine erfolgreiche Frau schon länger mit einem Mann zusammen ist (und die Betonung liegt hier auf wenn überhaupt), dann ist er beruflich entweder gleichgestellt oder noch erfolgreicher als sie. Also, zum Beispiel die selbständige Friseurin kommt mit ihrem selbständig arbeitenden Produktvertreter zusammen. Das Paar, das sich gemeinsam eine Firma aufgebaut hat und komplett an einem Strang zieht. Das sind Ausnahmen erfolgreicher Frauen, bei denen es zu funktionieren scheint.

Die starken Frauen

Nun ist das Thema der Emanzipation in meinen Augen recht schwierig und vielfach missverstanden. Ich persönlich bin froh, dass ich nicht das Gefühl haben muss, mit einem Mann zusammen sein zu „müssen“, weil er „eine gute Partie“ ist und mich und mögliche gemeinsame Kinder gut versorgen kann. Ich bin auch dankbar dafür, dass ich selbst entscheiden kann, welchen Beruf ich ausübe und nicht meinen Mann um Erlaubnis fragen muss. Vielmehr noch, dass ich generell meine Entscheidungen selbständig treffen kann, heute im 21. Jahrhundert.

Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass viele Frauen es inzwischen auch verlernt haben, Frau zu sein. Dass sie hart geworden sind; ihr Herz verschlossen haben. Dass sie so sehr allein zurechtkommen, dass es ihnen gar nicht in den Sinn kommt, einen Mann um Hilfe zu bitten. „Das kann ich auch alleine.“, höre ich immer wieder. „Dazu brauch ich doch keinen Mann.“ Und ja, natürlich bekommen wir Frauen unser Leben alleine in den Griff. Dank YouTube Videos bekomme ich einen verstopften Abfluss auch selbst wieder frei. Aber will ich das denn wirklich? Ist es nicht doch schön, wenn „Männerarbeit“ auch „Männerarbeit“ bleibt und die Frauen auch mal wieder lernen, etwas abzugeben. Einfach nur, weil es schön ist?

Die Verwirrung der Männer

Denn was macht das mit den Männern von heute? Wenn die Frauen sich verändern, müssen die Männer sich zwangsweise mitverändern. Und hier kann es in zwei Richtungen gehen: Entweder sie werden noch männlicher (sind das die Strubbelbartträger?). Oder sie werden weicher, weiblicher.

Wenn ich mir jetzt wieder meinen Bekanntenkreis anschaue, dann fällt mir auf, wie oft die Männer heutzutage den Kochlöffel schwingen, ins Babyjahr gehen, die Fenster putzen etc.

Ich will das in keinster Weise verteufeln. Ich zähle nur auf, was mir auffällt.

Das Problem dabei ist, dass noch ein paar Generationen vor unserer Zeit, die Dinge, was Mann und Frau angeht, klar auf der Hand lagen. Eine Frau verhält sich so und so. Und ein Mann eben wie ein Mann sich zu verhalten hat. Auch im Kennenlernen gab es Richtlinien, die verfolgt wurden. Und das über Generationen hinweg.

Heutzutage gibt es kein allgemeingültiges Regelwerk mehr, nach dem ein Mann sich richten kann im Umgang mit einer Frau. Die eine möchte, dass man ihr die Tür aufhält. Die andere nicht. Die eine genießt es, wenn der Mann ihr in die Jacke hilft. Die andere denkt sich: „Ich bin doch nicht behindert.“ Die eine freut sich, wenn der Mann sie beim Restaurantbesuch einlädt. Die andere reagiert ungehalten und besteht darauf, dass sie sehr wohl in der Lage ist, ihr Essen selbst zahlen zu können. „Ich lasse mich doch nicht kaufen.“

Sie sehen also, es ist gar nicht so verwunderlich, dass der Umgang zwischen Mann und Frau schwieriger geworden ist. Die neugewonne Freiheit der Frauen, legt ihnen in gewissen Lebenslagen doch Steine in den Weg und führt zu anderen Schwierigkeiten, die sicherlich nicht voraussehbar waren.

Unsere Neandertaler DNA

Nun ist es so, dass in unseren Genen das Neandertaler Denken und Verhalten noch immer abgespeichert ist. Das bedeutet, der Mann will weiterhin das starke Geschlecht sein, sich um die Frau kümmern und sie glücklich machen. Die Frau will tief in ihrem Inneren beschützt werden und sich behütet fühlen.

Ich erinnere mich auch an Gespräche mit starken Frauen, die sich beklagen, dass sie keinen Mann zum Anlehnen und Fallenlassen finden.

Nur, liebe Frauen, wenn du zu stark auftrittst und dich vor deiner eigenen Weiblichkeit versteckst, dann wundere dich bitte nicht, wenn die Männer vor dir in der Tat zurückweichen und zurückschrecken. Immerhin ist in einer Beziehung nur ein Platz für den „starken Part“ zu vergeben. Wenn die Frau diesen Part schon besetzt, darf sie sich im Grunde nicht wundern, dass sie keinen Partner anzieht, der ihr wirklichen Halt bieten kann. Dann gibt es in der Beziehung schon einen Mann, nämlich sie.

Was bedeutet das für unser Verhalten?

Ich appelliere an die Frauen, die sich jetzt wiedererkennen, mehr Weiblichkeit in ihr Leben zu lassen. Nein, damit meine ich nicht, dass du dich auf faule Kompromisse einlassen oder zurück hinter den Herd sollst. Vielmehr meine ich, lass dem Mann die Freude, dich zu hofieren und nimm das an. Lass dir die Autotür aufhalten. Lass dich einladen. Lass dir das Marmeladenglas aufdrehen. Zeig deinem Mann, dass du dich darüber freust, dass er da ist und dir das Leben angenehmer gestaltet.

Emanzipation als Chance für die wahre Liebe

Unterm Strich bin ich der festen Überzeugung, dass die Emanzipation uns in der Tat den Weg für die wahre Liebe freigeschaufelt hat.

Indem die Frau nicht mehr mit „einer guten Partie“ verheiratet sein muss bzw. es bleibt, weil sie sich vom Mann versorgt sehen muss, kann sich der Mann an ihrer Seite heutzutage doch viel sicherer sein, dass sie ihn wirklich liebt. Dass sie mit ihm zusammen ist, weil sie es möchte, nicht weil sie es muss.

Indem eine starke Frau sich beim richtigen Mann weich und verletzlich zeigen kann, erweist sie ihm einen Vertrauensbeweis, den es in vielen Partnerschaften der früheren Generationen gar nicht gegeben hat.

Denise Schäricke, Lifestyle Coaching, www.denise-schaericke.com,  Autorin von „Insidertipps – Onlinedating“

2 Kommentare

  1. Nee Frau Schäricke,

    ich glaube nicht, dass es Angst ist, welche den Mann hindert, sich auf eine starke Frau einzulassen. Liegt das Problem nicht eher darin, dass eben jene Frau nicht bereit ist, dem Mann eben auch einen entsprechenden Platz in ihrem Leben einzuräumen?
    Platz schaffen für den Partner, übrigens kein reines Frauenproblem, denn die Emanzipation bringt ja mit sich, dass die traditionelle Rollenverteilung über den Haufen geworfen wurde. So ist es oftmals eben so, die Frau breitet ihr „Ich“ aus, was dazu führt. das die Entfaltung des Mannes auf der Strecke bleibt, was ihm dann durchaus Angst bereiten kann, das Miteinander will erst gelernt sein.
    Man will ja auch einen Partner, welcher einem auf Augenhöhe begegnen kann, wo beide sich signalisieren müssen, Abstriche von ihrem Ego zu machen, sonst glaube ich, wird das nichts.

    Der Lefti

  2. Nein! Frauen waren schon immer die meist Stärkeren in der Beziehung, nur hat Stärke ja nicht unbedingt erwas mit gesellschaftlicher Präsenz, Beachtung und wirtschaftlicher Macht zu tun (der Mann bringt nach Tage dauernder Jagd die Antilope nach Hause währen die Frau, die dies aufgrund der Kinder ja gar nicht leisten kann „lediglich“ für die Aufrechterhaltung der häuslichen und sozialen Strukturen sorgt). Die lag allerdings beim Mann. Man muss sich nur in muslimischen Ländern umschauen, bei denen die Frau auf der Strasse teils überhaupt nicht vorkommt, in der Familie aber alle Fäden in der Hand hält. Dies trifft auch bei uns in vielen Vorstandsfamilien etc. zu. Der Mann ist der nach außen blendende, aber ohne die ihn lenkende und die Familie organisierende Frau oft aufgeschmissen. Nimmt die Frau dem Mann nun aber die nach außen als dominant wirkenden Attribute weg, also der Mehrverdienst, das Wortergreifen in Versammlungen etc. so kommen damit tatsächlich wenig Männer zurecht. Wenn solche Frauen dann aber einen Halt suchen, treten viele Männer „galant“ zur Seite und lassen sie im übertragenen Sinn auf die Schnauze fallen. Die „Härte“ dieser Frauen ist aus meiner Sicht ein Resultat (nicht die Ursache) männlichen Verhaltens gegenüber sog. starken Frauen.

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