Die Narzissmus-Falle

(Von Silvia Christine Strauch)

Welch ein Womanizer, es ist beneidenswert wie die Frauen auf ihn abfahren, er versteht es wirklich Frauen in kürzester Zeit von sich zu begeistern. Er ist charmant, zuvorkommend und sieht überdies nicht schlecht aus, er versteht es die Frauen buchstäblich um den Finger zu wickeln. Selbst auf Männer wirkt er beeindruckend. Er erzählt von seinen Erfolgen und Plänen und schildert diese auf beeindruckende Art und Weise. Ein Erfolgsmann wie aus dem Bilderbuch.

Die Manipulation beginnt…

Erst beim näheren Kennenlernen kommen Zweifel auf. Erst nach einer gewissen Zeit kommt es zu einer immer stärker werdenden Manipulation seiner Mitmenschen und Partner. In der Partnerschaft wird man zuerst umhegt, gepflegt und umgarnt bis man die Zuneigungsbezeugungen nicht mehr missen möchte. Erst dann wird man mit verdeckten Forderungen konfrontiert, erst dann beginnt die Manipulation. Langsam aber sicher wird die Liebe an Bedingungen geknüpft, denen man nur zu gerne nachkommt. Es fällt zuerst gar nicht auf, wie man auf einmal kritisiert wird, es ist wie der Umgang mit Zuckerbrot und Peitsche. Du verhältst dich falsch, aber ich liebe dich trotzdem, heißt es. Muss man sich da nicht dankbar zeigen? Und so tappt man in die Falle. Meistens kommt eine krankhafte Eifersucht dazu, auch eine Kontrollsucht, denn der krankhafte Narzisst will alles unter Kontrolle haben. Im fortgeschrittenen Stadium wird er immer übergriffiger, er schreit und brüllt, bis hin zu Tobsuchtsanfällen, wobei es durchaus auch zu tätlichen Angriffen kommen kann. Er stellt die Glaubwürdigkeit des anderen in Frage, agiert mit Vorwürfen und Unterstellungen und schreckt auch nicht vor Drohungen und Beleidigungen zurück.

Der krankhafte Narzisst zeigt kein Einfühlungsvermögen, er ist arrogant und entwertet andere, im Privat- wie auch im Berufsleben. Andererseits erwartet er grenzenlose Bewunderung, Applaus in jeder Lage. Ein unstillbarer Geltungsdrang treibt ihn an.

Narzissmus im Berufsleben

Im Berufsleben gibt es den krankhaften Narzissten in der Chef- wie auch in der Mitarbeiterposition. Er gibt einen hervorragenden Hochstapler ab, egal in welcher Position er sich befindet. Als Kollege versichert er Ihnen, wie wertlos sie sind, bis sie es glauben. Allerdings wird er Arbeit und Verantwortung auf sie abwälzen, auch wenn er die Lorbeeren ihres Tuns einstreichen wird. Ihm fehlt dabei jegliches Schuldbewusstsein oder auch Reue für seine Handlungen, er weigert sich ganz einfach die Verantwortung für sein Tun zu übernehmen.

Krankhafte Narzissten gelangen oftmals in Führungspositionen, da sie hier ihrem Bedürfnis nach Macht und Kontrolle am einfachsten nachkommen können. Er bevormundet den Mitarbeiter und macht ihn klein, unabhängig davon, was dieser geleistet hat. Seine Meinung steht über allem, wobei er ständig bewundert werden will, allerdings die Schuld, an was auch immer, auf seine Mitarbeiter abwälzt.

Gleichgültig ob Mitarbeiter oder Chef, er redet den anderen ein schlechtes Gewissen ein, indem er mit falschen Aussagen argumentiert und Gerüchte in die Welt setzt. Krankhaftes Lügen und Übertreiben ist völlig selbstverständlich, wobei er durch seine schauspielerischen Fähigkeiten, meist verbunden mit rhetorischem Geschick, es leicht schafft, seine Umwelt zu überzeugen.

Narzissmus im Bekanntenkreis

Auch in den eigenen Bekanntenkreis schleichen sich immer wieder krankhafte Narzissten ein, da sie untrüglich die Menschen finden, die ein großes Herz haben und das Gute im Anderen sehen. Wie in einer partnerschaftlichen Beziehung schaffen sie es auch hier am Anfang die Interessen ihres Gegenübers perfekt widerzuspiegeln, wodurch dieser glaubt einen Gleichgesinnten gefunden zu haben. Doch bald fällt auf, dass er ständig bewundert werden möchte und in allen Dingen das letzte Wort hat, es gibt einfach keine faire Diskussion. Bald wird er dem Freund Schuld für alles Mögliche zuschieben und dabei lügen und betrügen, in einem Ausmaß, dass es schon wieder glaubwürdig wirkt. Man fängt an ihm zuzustimmen, man nimmt ihm Arbeit ab und man bewundert ihn. Dabei wird man immer mehr vom früheren Bekanntenkreis isoliert und bekommt gar nicht mit, wie der krankhafte Narzisst hinter dem eigenen Rücken schlecht über einen spricht. Man wird buchstäblich isoliert und bald immer mehr von den anderen Freunden gemieden. Dadurch wird die Abhängigkeit immer größer und man fängt an selbst schlecht über sich zu denken. Irgendwann befindet man sich in einer Art Hilflosigkeit und großer Traurigkeit wieder. Der krankhafte Narzisst kann allerdings kein Mitgefühl aufbringen, auch wenn man mit ihm darüber kommunizieren will, er neigt in solchen Fällen zu Wutausbrüchen und schiebt dem anderen die Schuld zu.

Nimmt Narzissmus zu?

Heutzutage scheint es nur so von narzisstischen Frauen und Männern zu wimmeln. Jeder möchte etwas Besonderes sein, die Ansprüche steigen und die Selbstdarstellung nimmt immer mehr zu, egal worin sie begründet ist. Allerdings gibt es durchaus den gesunden Narzissmus, den man auch als natürlichen Selbsterhaltungstrieb bezeichnen kann. Jeder Mensch ist etwas Besonderes und darf sich durchaus über Anerkennung und Erfolg freuen.

Erst wenn dieses Verhalten sehr übersteigert wird, liegt ein krankhafter Narzissmus vor. Dieser ist ein abnormes Verhalten, eine Persönlichkeitsstörung, die eine übertriebene Selbstbezogenheit bezeichnet. Krankhafte Narzissten werten alles und jeden um sich herum ab, um sich selbst zu erhöhen, sie haben kein Moralempfinden. Menschen sind für sie nur das Mittel zum Zweck, um irgendetwas erreichen zu können. Gefühle von anderen interessieren sie nicht, sie können sie auch nicht nachvollziehen, sie wissen nicht was Liebe ist. Darüber hinaus reagieren sie auf konstruktive Kritik gekränkt und sind prinzipiell neidisch auf andere Menschen, die es angeblich besser getroffen haben als er.

Gesunde Vorsicht und Misstrauen

Narzisstische Menschen verführen und verzaubern, sie lassen buchstäblich eine Fata Morgana entstehen. Passen Sie auf, dass Sie nicht in die Narzissmus-Falle eines krankhaften Narzissten geraten, der Sie in seiner gekonnten Weise so manipuliert, dass sie ihm nicht nur immer mehr seine Wünsche erfüllen, sondern sich selbst dabei immer noch schlechter, noch weniger wert fühlen. Lassen Sie sich auf keine Kommunikation, geschweige denn eine Beziehung ein, die nicht auf Augenhöhe abläuft. Passen Sie gut auf, wie Sie mit sich umgehen lassen.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Krankhafte Narzissten enttarnen“

4 Kommentare

  1. Ich kannte einen Mann, mit dem ich such , systemic ich 26 war, kurz einmal eine Liaison hatte. Nach ca. 30 J. wurde dieser Mann wohl von einem Ex von mir auf mich angesetzt, da ich bereits 2 J. Single war und recht traurig und damals auch einsam, da ich rund um die Uhr zu Hause Angehörige pflegte. Dieser Mann war plötzlich immer im Supermarkt, wenn ich einkaufen und bot sich an mir zu helfen. Da ich ihn ja so lange nicht gesehen hatte, war ich froh und verliebte mich in ihn. Meine finanzielle schlechte Situation interessierte ihn besonders und er bot sich an mir den Einkauf zu bezahlen. ICh lehnte das ab. Aber bald hatte er mich soweit, dass ich mir kleine Beträge zahlen ließ oder lieh. Er meinte immer, er wolle es nicht zurück. Später zahlte er meiner Mutter größere Reparaturen an der Wohnung etc…., es wurde immer mehr. Erst war er liebevoll, dann immer abweisender. Dann machte er mich runter, wollte nur bewundert werden. Ich war in seinen Augen nichts wert , obwohl ich in vielen Dingen viel erfolgreicher im Leben war als er und ich sollte dankbar sein, dass er sich mit mir überhaupt abgebe. ICh fühlte mich wie seine Sklavin. Er machte sich mit seinen Freunden über mich und andere Frauen lustig, aber ich konnte mich nicht wehren. Auch verbot er mir den Umgang mit meinen Bekannten. Ausgehen durfte ich gar nicht mehr. Ich wurde immer mehr isoliert, hatte kein Selbstvertrauen mehr und verfiel in Depressionen. Er wusste, dass ich weit wegziehen wollte und mir ein neues Leben aufbauen wollte, versuchte mir das aber auszureden und unterstützte mich nur bedingt, wollte, dass ich nur 50 km weg ziehe. Er legte mir viele Steine in den Weg und hatte kaum noch Zeit, machte sich wichtiger als ein Bundeskanzler. Ich litt sehr, war ich doch emotional und finanziell inzwischen von ihm abhängig und auch in andere Dinge verstrickt. Er erpresste mich und gab mir stets Zuckerbrot und Peitsche. Ich wusste nie, woran ich bin. Er war unberechenbar und zähzornig. Ich hatte eh im Leben hart zu kämpfen, aber er erschwerte es noch mehr. Schluss machen wollte er nicht. Ich kam lange nicht von ihm weg. Dann aber doch mehr und mehr, weil mein Körper einfach nicht mehr mitmachte und weil ich im Internet viel über Narzissen las. Mein Arzt hat mir eigentlich kaum geholfen, er sagte nur, ich solle ihn testen und dann Schluss machen. Aber lange hatte ich die Kraft nicht dazu. ErsT als ich ca. 500 km weit weg wohnte und auch andere Menschen kennenlernte, gelang es mir Abstand zu finden. Es war ein langer schwerer Prozess. Von dem Schaden, den ich genommen hatte, dadurch dass ich mich nicht sofort von ihm getrennt hatte und seine Masche nicht gleich durchschaute, bin ich heute noch dabei mich zu erholen. Seit diesem Mann habe ich mich nie wieder verliebt, ich schaue nicht einmal.mehr nach Männern, Laufe wie ein Neutrum durch die Gegend. Will aber allmählich wieder so viel Selbstbewusstsein bekommen, dass ich wieder den Mut habe, mich mit Männern unbeschwert zu unterhalten. Momentan ist es so, wenn ich mich mit Männern unterhalte, die ihm ähnlich sehen oder den gleichen Beruf ausüben wie er, dann verspannt sich bei mir alles, ich werde unsicher, eine Beklemmung kommt auf und auch Traurigkeit und WuT. Ich habe das, was er mir in all den 5 J. angetan hat nicht vergessen, versuche zu verstehen, zu verzeihen, zu überwinden, zu verarbeiten, aber das ist alles doch schwerer als erwartet. Narzissen können viel zerstören. Ich rate jedem, mit Freunden darüber zu reden, es öffentlich zu machen und sich Hilfe zu holen, am besten gleich zu Anfang.

    1. Es ist erschreckend wie ähnlich diese Fälle ablaufen und wie wenig bekannt diese Vorgänge trotzdem sind. Und es gehört eine große Portion Mut dazu darüber zu sprechen… Ich wünsche Dir für die Zukunft alles, alles Gute!

  2. Mein Sohn ist Narzisst. Ob er auch hsp ist, vermag ich nicht zu sagen, glaube es jedoch wegen seiner hohen Sensibilität und Spür igkeit. Er hat sich mit einem psychotisch geformten Bild von mir bis zum Lebensende (wie er sagt) von mir „befreit“. Schwierig war es immer, auch weil sich sein 10 Monate jüngerer Bruder mit 25 das Leben nahm. Ich akzeptiere seine Entscheidung. Für mich als Mutter ist sie nicht das Ende. Der Bruder als hochbegabter Künstler – also die ganze Familie beschenkt und geprägt…

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