Die Beziehung in Balance

(Von Christopher Hensellek)

In einer zwischenmenschlichen Beziehung, egal ob Partnerschaft, Freundschaft etc. ist es (vor allem für hochsensible Menschen) von höchster Wichtigkeit, sich selbst treu zu bleiben. Es geht darum, ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen herzustellen.

Es ist klar, dass dieses Gleichgewicht niemals perfekt sein kann.

Mal nimmt der eine mehr, mal gibt er mehr, je nach Lebenssituation, Energiereserven, Befindlichkeit und Tagesform. Dies ist völlig normal und menschlich. Schwierig wird es jedoch, wenn sich einer der Beiden zu sehr in der Geber-/ oder Nehmerrolle befindet. Dann entsteht ein Ungleichgewicht, dass auf lange Sicht nicht bestehen kann, ohne dass zumindest eine der beteiligten Personen unzufrieden wird (meist der, der übermäßig gibt, aber auch der „Nehmer“ wird evtl. unzufrieden sein, weil alles nicht gut genug ist). Mache dir bewusst, dass du bereits innerlich „vollkommen“ und unabhängig bist, dass nichts und niemand eine innere Leere füllen kann und muss. Weder kannst du diese Leere bei deinem Gegenüber füllen, noch kann der Andere dies bei dir.

Eine Beziehung auf Augenhöhe kann dann stattfinden, wenn sich zwei eigenständige Menschen begegnen, dem anderen sein Anderssein erlauben und gegenseitig voneinander lernen können.

So können sich beide entwickeln und noch tiefer in die Beziehung und die gemeinsame Liebe eintauchen.

„Beziehung ist wunderbar, weil sie wie ein Spiegel ist. Aber es gibt dumme Menschen – sie sehen ihr Gesicht im Spiegel, und sie sehen wie hässlich es ist, und dann zerstören sie den Spiegel. Die Logik ist offensichtlich: Der Spiegel macht sie hässlich, also zerstör den Spiegel und dann bist du schön.

Beziehung ist ein Spiegel. Wann immer du eine Beziehung zu einem Menschen hast – zu einer Ehefrau, einem Ehemann, einem Freund, einem Geliebten, einem Feind – hast du einen Spiegel. Die Ehefrau spiegelt den Ehemann. Du kannst dich selbst sehen. Und wenn du einen hässlichen Ehemann siehst, versuch nicht, deine Ehefrau zu verlassen – die Hässlichkeit ist in dir. Lass die Hässlichkeit los. Der Spiegel ist schön, sei diesem Spiegel dankbar.

Aber dumme und feige Menschen laufen immer davon und schwören Beziehungen ab, mutige und kluge Menschen gehen Beziehungen ein und verwenden sie als Spiegel. Mit jemandem zu leben ist so, wie ständig gespiegelt zu werden. Jeden Moment zeigt dich der andere, du setzt dich dir selbst aus. Je enger die Beziehung ist, umso klarer ist der Spiegel; je distanzierter die Beziehung ist, umso unklarer ist der Spiegel.“  (Osho)

Mache es dir zur Gewohnheit, dich selbst in deinem Handeln und Verhalten regelmäßig zu beobachten und zu hinterfragen. Versuche, deine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, zu berücksichtigen und formulieren. Ein „Nein“ zu den Forderungen deines Partners ist durchaus legitim, wenn du dich gerade nicht in der Lage fühlst seine Bedürfnisse zu erfüllen. Genau so darfst auch du nicht erwarten, dass dein Partner/Freund immer zu 100% deine Forderungen, Erwartungen und Bedürfnisse erfüllt.

Frage dich, wenn du und dein Partner euch in einer Konfliktsituation befindet:

„Was zeigt der andere mir über mich?

Was kann ich vom anderen lernen?“

statt euch gegenseitig zu beschuldigen und zu verletzen. Diese Lehre, die dir der Mensch, mit dem du gerade in einer Beziehung stehst, übermittelt, kann ganz unterschiedlich aussehen. Du musst für dich selbst herausfinden, wo diese Lehre verborgen liegt. Es kann zum Beispiel sein, dass du durch dein Gegenüber lernen sollst, dass es wichtig ist, Grenzen zu setzen und für dich einzustehen. Oder du kannst lernen, dass du nicht immer für andere da sein musst, sondern du Gefühle und Probleme auch beim Anderen lassen kannst. Oder du kannst vielleicht lernen, dass du dich für deinen Partner nicht verstellen musst, ihm alles recht machen musst, sondern dass du DU sein darfst: Authentisch mit allen Ecken und Kanten, guten und schlechten Seiten.

Eine gute Kommunikation zwischen Dir und deinem Partner ist in einer Beziehung natürlich auch sehr wichtig.

Die eigenen Bedürfnisse, Gefühle, Emotionen und Empfindungen sollten dabei, wie bereits oben beschrieben, offen formuliert werden, ohne jedoch den anderen anzuklagen bzw. verantwortlich zu machen. Dies kannst du tun, indem du sachlich über deinen inneren Zustand berichtest. Erkläre deinem Partner zum Beispiel, welche Emotionen du in dir wahrnehmen kannst.

Bleibe dazu „bei dir“. Nimm dir ausreichend Zeit zum „in dich hinein spüren“ und deinen inneren Zustand zu untersuchen.

Lasse dir und deinem Partner in der Beziehung auch genügend Freiraum, so dass du bzw. Ihr euch beide gleichermaßen entfalten könnt. Damit ist einerseits der äußere Freiraum (eigene Aktivitäten, eigener Freundeskreis usw.), als auch der innere Freiraum (Stille, Sein) gemeint.

So kannst du in deiner Beziehung authentisch sein und doch zugleich eine tiefgründige Verbindung zu deinem Partner aufbauen.

Christopher Hensellek, www.hypersensibel.com, Autor von „Metamorphose – Hochsensibel gesund leben“

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