Der Vorsatz zum neuen Jahr

(Von Dr. Diana Kolb)

Wieder hat ein neues Jahr begonnen. Das alte Jahr wird zurückgelassen. Man lässt es nochmal Revue passieren und nimmt so sein Fazit mit. Dieses fällt dann mal gut und mal weniger gut aus. Manche Leute tun auch so, als sie es ihnen egal… Wobei ich denke, dass es einem die Vergangenheit nie egal ist, denn sie hat uns zu dem gemacht der wir jetzt gerade sind. Alles ist auf Veränderung und Neuerung eingestellt. Man muss sich ja selbst beim Schreiben des Datums erst einmal an eine neue Jahreszahl gewöhnen. Und dann sind da die guten Vorsätze.

Ich habe mir mal die Top Ten Liste der guten Vorsätze 2019 angesehen:

Top 1: Stress vermeiden

Top 2: Mehr Zeit für Freunde und Familie

Top 3: Mehr Sport

Top 4: Mehr Zeit für sich selbst nehmen

Top 5: Gesünder ernähren

Top 6: Abnehmen

Top 7: Sparsamer sein

Top 8: Weniger Handy/PC/Internet/Fernsehen

Top 9: Weniger Alkohol

Top 10: Rauchen aufgeben

Sofort kam mir in den Kopf, dass man ins Gefängnis kommt, wenn man eine Straftat mit Vorsatz getan hat.

„- Ich habe mit dem Rauchen aufgehört.
– Geschah dies mit Vorsatz?
– Ja, es war mein guter Vorsatz fürs neue Jahr.
– Wie vielen Menschen haben sie mit ihrer schlechten Laune geschadet?
– Vielleicht so ein bis zwei Leuten, vielleicht dreien.
– Dann ab ins Gefängnis Schädigung mit Vorsatz.“

Gute Vorsätze haben fast immer mit einem Leck im Selbstbewusstsein zu tun.

Man fühlt sich nicht in Balance und die guten Vorsätze sollen dazu führen, dass das neue Jahr besser wird als das alte. Man will sich besser fühlen, man will weniger schlechtes Gewissen haben und am liebsten ein besserer Mensch sein.

Ich habe mir gar keine Vorsätze aufgehalst. Denn ich weiß, dass ich mich unter Druck setze und wahnsinnig traurig bin, wenn ich es nicht schaffe. Ich setze mir täglich schon hohe Anforderungen genug und meine tägliche TO- Do- Liste erschreckt mich manchmal selbst. Aus diesem Grund bin ich von der täglichen To- Do- Liste auch auf eine monatliche ausgewichen. So bin ich nicht täglich traurig, wenn ich etwas nicht schaffe, sondern nur monatlich…

Was die Arbeit an mir selbst angeht, checke ich hin und wieder, wenn ich mal kurz innehalte oder mich meine extremen Gefühle mal wieder genau darauf stoßen, was bei mir an Defiziten so vorhanden ist. Ich suche also meine Löcher im Selbstbewusstsein, um zu verhindern, dass das Boot sinkt.

Gute Vorsätze – ein Problem oder eine Tatsache?

Ich habe ein paar Pfunde zu viel und wäre gern schlanker. Gibt es dafür eine Lösung? Ja!…bessere Ernährung, mehr Sport, keine Süßigkeiten oder nur wenige… Somit handelt es sich um ein Problem, da es eine Lösung gibt. Aber momentan habe ich keine Zeit für mehr Sport, noch die emotionale Stärke auf Süßigkeiten und böse Kohlenhydrate zu verzichten. Somit gibt es jetzt gerade keine Lösung und es handelt sich um eine Tatsache. Diese gilt es jetzt zu akzeptieren.

Ich habe einfach andere Baustellen in meinem Leben, die gerade mehr Beachtung bedürfen. Sich kognitiv etwas vornehmen bringt einen nicht wirklich weiter. Ich bin nicht der Mensch, der sich solange das Fahrrad und andere Radfahrer untätig anschaut, um sich dann zu einem richtigen Zeitpunkt aufs Rad zu setzen und mühelos loszufahren.

Ich bin jemand, der sich ausprobieren muss. Ich bin eine Frau, die öfter mal auf die Nase fällt und dann aber aus ihren Fehlern lernt. Mal schneller und mal langsamer. Was ich mir aber zugestehen darf ist, dass ich Dinge angehe ohne lang vorher zu meckern oder andere mit meinen Ängsten vielleicht zu nerven. Wenn mich etwas stört, dann gehe ich dies gleich an und warte nicht auf das Neue Jahr, um dieses dann vielleicht hochmotiviert zu beginnen um dann doch schnell aufzugeben, weil man nicht damit gerechnet hätte, was da alles mit zusammenhängt. Wenn man sich immer ein kleines bisschen vornimmt, dann treibt es einen voran und man ist weiter motiviert, da sich schnell erste Ergebnisse einstellen. Wartet man aber und setzt zu hohe Anforderungen an sich selbst, dann muss man schnell erkennen, dass es Wonderwoman nicht in Echt gibt.

Wichtig ist aber die Erkenntnis, dass man nur an sich selbst arbeiten kann. Man kann andere Menschen nicht verändern und auch das Wetter kann man nicht beeinflussen. Um sich nicht ständig zu erkälten und nicht immer sauer darüber zu sein, dass man sich bei dieser „Nasskälte“ ja irgendwann den Tod holt, sollte man sich wettertaugliche Kleidung anziehen und sein Immunsystem und seine gute Laune stärken. Doch man muss erst einmal erkennen, dass nicht andere an dem eigenen Leid Schuld sind.

Tipps: Fahrplan Störfaktoren ausschalten:

1. Erkennen, dass man nur selbst etwas verändern kann.
2. Herausfinden, ob es sich dabei um ein Problem oder eine Tatsache handelt
2a. Handelt es sich um eine Tatsache: das störende Ding akzeptieren lernen
2b. Handelt es sich um ein Problem: nach einer Lösung suchen (weiter mit Punkt 3)
3. Verschiedene Lösungsstrategien anwenden
4. Handeln (dabei immer nur einen Schritt vor den anderen)

Wenn man nach diesem Fahrplan fährt, dann braucht man fürs neue Jahr keine guten Vorsätze.

Dr. Diana Kolb, www.drdianakolb.de, Autorin von „Tagebuch: Empathin trennt sich von Narzissten“

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