Das kalte Herz

(Von Cinzia Bonadea)

1827 schrieb Wilhelm Hauff des Märchen mit der Hauptfigur Peter Munk. Das Thema: Geld gegen Herz.

„Er wird schnell zum angesehenen Mann im Schwarzwald. Doch der fehlende Verstand für sein Geschäft macht sich bald bemerkbar.“

Mit dem Holländermichel geht er einen Handel ein, sein Herz gegen ein Herz aus Stein, dazu 100.000 Taler und jederzeit mehr, wenn er mehr braucht.

„Bald muss er feststellen, dass er sich an nichts mehr erfreuen kann, dass er nicht mehr lachen und weinen kann, keine Liebe empfindet und nichts mehr schön ist. Sein neues Herz aus Stein kann an nichts Anteil nehmen.“

Was wäre wenn dieses Märchen wahr würde?

Dann lebten wir in einer Gesellschaft, in der Besitz, Aussehen und Status wichtiger wären als ein Herz. Dann würden sich Menschen alles wünschen was man haben kann und das meiste davon bekommen. Jeder würde Ausschau halten nach dem was er bekommen kann. Und für Geld könnte man in so einer Gesellschaft ziemlich alles bekommen.

Man könnte Lügen kaufen und sie als Wahrheiten wiederverkaufen, Werte würden entwertet (da das Herz ja verkauft wurde), dafür hätten Berühmtheit und Schein Hochkonjunktur, es ginge darum was etwas gekostet hat und nicht was es wert ist,

ausser es wäre ein Schnäppchen, dann wäre das etwas Gutes.

Etwas sehr teures Gutes ganz billig bekommen. Ist das schon der Beginn von einem neuen Märchen?

Man könnte sich Macht kaufen, reisen wohin man wollte, auf großen Schiffen in die entlegensten Winkel, sich kleiden wie man möchte, berühmt werden weil man schön ist, vergessen werden, weil morgen jemand anders schön ist, den Kindern alle ihre Wünsche erfüllen, die dann zornig schreien und toben wenn sie etwas nicht kriegen, denn dafür gäbe es keinen Grund, da man sich ja das allermeiste leisten könnte, das Beste essen und dazu noch jeden Tag etwas Neues, denn sonst würde es zu schnell langweilig.

Dann könnte man das worum es wirklich geht nicht nur aus den Augen verlieren, nämlich die Liebe, man würde Gefahr laufen sie zu vernichten, weil das Herz es ja gar nicht mehr fühlen könnte, weil es ja nicht mehr da wäre.

Die Menschen hätten alles und würden dabei doch nicht wirklich froh.

Am Ende des Märchens wird das Herz zum höchsten Gut, aber erst als alles verloren scheint und nur magische Kräfte, auch Tote wieder lebendig machen können um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Immerhin stellt Peter Munk bald fest, dass er sich an nichts mehr erfreuen kann, keine Liebe mehr empfindet.

Der Film „It’s all about love“ der 2003 in die Kinos kam, zeigt eine zukünftige Welt, die aussieht wie unsere Gegenwärtige, in der Menschen an kaltem Herzen sterben, plötzlich unerwartet, dort wo sie sich gerade befinden. Die Gesellschaft hat sich daran gewöhnt und geht darüber hinweg, im wahrsten Sinne des Wortes.

Anderer Backround als Wilhelm Hauffs Geschichte, doch entspinnt der o. g. Film auch die Frage nach der Liebe. 

Zum Glück sind das ja alles Märchen und Geschichten!

Die schöne und wichtige Botschaft die sie enthalten ist: auf das Herz kommt es an, bzw. auf die Liebesfähigkeit. Die Fähigkeit unseres Herzens zu lieben, gibt es zum Glück schon. Wir kennen das. Es gibt oder gab Menschen in unserem Leben die wir lieben oder geliebt haben und die uns unsere „Liebesfähigkeit“ entdeckten.

Diese Liebesfähigkeit ist die Fähigkeit unseres Herzens und diese können wir jeden Tag weiterentwickeln. Allerdings sind wir auch die Einzigen die das tun können, weder können es Andere für uns tun, noch können wir diese bei Anderen entwickeln.

Eine sehr schöne Möglichkeit das zu tun ist die „Loving Kindness Meditation.“ Es gibt davon Variationen und man kann auf YouTube oder auf anderen Plattformen für den eigenen Geschmack etwas finden. Jon Kabat Zinn ist einer der bekanntesten Vertreter. Kurz lautet sie so:

May I be happy         Möge ich glücklich sein

May I be well             Möge ich gesund sein

May I find peace       Möge ich ohne Sorgen leben

So kann man die Meditation beginnen und sich diese guten Wünsche selbst zum Geschenk machen. Dann erweitert man den „Radius der Liebe“ auf andere Menschen.

May you be happy     Mögest du glücklich sein

May you be well         Mögest du gesund sein

May you find peace   Mögest du ohne Sorgen leben

Dabei denkt man zu beginn an die Menschen die man liebt, an Freunde an alle denen man das gerne wünscht. Bei längerer Übung an Menschen die man wenig kennt (Bedingungslose Liebe) oder vielleicht sogar dann an Menschen mit denen man es nicht leicht hat. Es geht hier nicht um Fernhypnose oder den Versuch Menschen zu beeinflussen, bzw. deren Leben, sondern einzig und allein darum das eigene Herz zu öffnen und die Liebesfähigkeit die darin schlummert zu entfalten.

Damit Märchen nicht wahr werden …

Cinzia Bonadea, www.cinzia-bonadea.de

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